Ich bin von Anfang an alleinerziehend. Mein Sohn hat aber regelmäßig Kontakt zum Vater. Mein Sohn ist in der 8. Klasse auf dem Gymnasium. Vor einem Jahr hat er auf eigenen Wunsch die Schule gewechselt, da er zuvor auf einem Gymnasium war, was sehr weit weg war. Im jetzigen Gymnasium sind Jungs, die er vorher schon kannte. Jetzt wolltemein Sohn zum ersten Mal seinen Geburtstag nicht feiern. Er trifft so gut wie nie Freunde. Er hatte Freunde. Er ist im Schwimmverein und bei den Pfadfindern. Ein Jahr war er noch im Handballverein. Da will er jetzt nicht mehr hin. Seit längerem liegt er nachmittags nur noch auf dem Bett mit Handy und Laptop. Ich kann mit ihm nicht reden, da er mich sofort anschreit mit "Geh weg" oder mir Sachen ins Gesicht werfen will. Er war früher der netteste Junge. Ich kann das so nicht mehr. Wir wohnen in einer 2-Zimmerwohnung er ist immer schlecht gelaunt und aggressiv, knallt die Türen. Er macht mir die ganze Wohnung kaputt. Zur Erziehungsberatung oder einem Psychologen möchte er nicht. Uch habe es in der 5. Klasse versucht. Ich bin mittlerweile schon so weit, dass ich denke, er soll woanders hinziehen. Zu seinem Vater will er nicht. Ein Internat kann ich mir nicht leisten.
Hallo Yolanda,
willkommen im Elternforum der bke-Onlineberatung. Mein Nickname ist bke-Stephan-Bäcker und ich gehöre zum Moderationsteam. Puh, was Sie schreiben erklärt sehr deutlich, warum Sie gerade nicht wissen, wie es weiter gehen soll. Sie schreiben, dass Ihr Sohn ein liebes Kind war. Das ist er sicher immer noch. Pubertät und vielleicht ein doofes Ereignis bzw. Ereignisse verdecken das gerade. Jetzt geht es darum, den lieben Jungen, bzw. den lieben jungen Mann wieder hervor zu holen.
Meine erste Idee ist: Ganz sicher gibt es irgendwann am Tag mal einen guten Moment. Nutzen Sie den und verabreden Sie sich, mit festem Termin, zu einem Gespräch. Nicht als Bitte, sondern: Morgen, 17:30 (so in der Art). Versprechen Sie ihm, dass Sie ihn nicht nerven, keine Forderungen stellen, nur reden. Und dann reden Sie von sich. Mit Ich-Sätzen. "Ich mache mir Sorgen um Dich ...", "Ich weiß oft nicht weiter ..." "Ich habe Dich lieb und will, dass es Dir gut geht ...","Ich ...", natürlich gehen solche Sätze nur, wenn sie stimmen.
Eine andere Idee, sollte das nicht gehen: Ich habe einen Termin vereinbart und wir gehen zu einer Beratungsstelle. Alternativ gehen wir zum Jugendamt. Du kannst Dir etwas raussuchen.
Die letzte Idee für heute: Wer in Ihrer Familie, in Ihrem Freundeskreis, kann Ihren Sohn und Sie gut leiden? Laden Sie diesen oder diese Menschen ein. Und dann reden Sie mit diesen Menschen, im Beisein Ihres Sohnes. Mit den Ich-Sätzen. Können Sie sich das vorstellen? Auch bei diesem Gespräch geht es nicht um Forderungen und Aufgaben. Nur ums gegenseitige Verstehen.
Was sagt eigentlich der Vater zu der Situation?
Jetzt habe ich Ihnen etwas Stoff zum Nachdenken gegeben, ich bin gespannt, was Sie dazu schreiben. Vielleicht haben ja auch noch andere Menschen hier Ideen?
Ihnen viele mutmachende Grüße,
bke-Stephan